Zwischen den Meeren – Tag 3

Ausgeruht und fit geht es nach einem leckeren Frühstück weiter auf die letzte Tagestour – vier Etappen liegen heute vor uns, etwa 35km auf dem ZdM-Trail bis Flensburg. Wir verabschieden uns von den netten Wirtsleuten und den klappernden Störchen, besorgen uns beim Bäcker noch etwas Proviant und verlassen Schafflund gegen halb zehn. Die letzten Dosen der 5. Etappe führen uns noch entlang eines stillgelegten Bahngleises am Ort entlang, die 6. Etappe hat dann auch wieder einen waldigen Abschnitt mit teilweise etwas matschigen Wegen. Vor uns sehen wir einen Radler, der immer wieder anhält, im Gebüsch verschwindet und nach kurzer Zeit weiterfährt – was der wohl treibt …

Weiter führt der Weg durch Wallsbüll – kurz zögern wir, da uns ein Wegweiser interessante Ziele wie Narnia, Taka-Tuka oder Hogwarts feiltbietet, bleiben dann doch auf der geplanten Route. Am Ende des 6. Abschnitts haben wir unseren Vorradler dann eingeholt und kommen schnell ins Gespräch. Christian von Die drei Wühlmäuse kommt aus der Gegend von Soltau und hat dort einige schöne Runden gelegt, die ich auch teilweise schon besucht habe. Spontan beschließen wir, den Rest der Tour gemeinsam zu fahren, und machen uns an den 7. Abschnitt. Kurz hinter Handewitt kreuzen wir dann erst die A7, auf der schon der ehemalige Grenzübergang sichtbar ist, und wenig später den Ochsenweg, einen historischen Heer- und Handelsweg, der heute als Radfernweg Verrückte wie uns lockt. Ab hier ändert sich die „Geländewertung“ der Tour deutlich – es gibt einzelne Hügel mit harmlosen Steigungen – insgesamt ist die Landschaft hier (in Abschnitt 8 & 9) etwas abwechslungsreicher als bisher, dafür ist es durch die Nähe zu Flensburg und seinen Vororten aber nicht mehr so ruhig und einsam. Doch die Strecke führt auf Kleinststraßen weiter Richtung Küste und gibt hier und da den Blick in Richtung Wasser frei – vorher kommen wir aber noch am Niehuuser See vorbei und genießen dieses wunderbare Biotop (der Cache „Seeblick Niehuus – reloaded“ (GC4B7TH) hat nicht umsonst so viele Favoritenpunkte). Im Dreieck zwischen Harrislee, Wasserleben und dem dänschen Padborg laden noch einige weitere Runden zum munteren Cachen ein, die wir uns aus Zeitgründen leider verkneifen müssen – aber die Gegend rund um Flensburg lohnt nicht nur einen Besuch (und das gilt natürlich auch für Flensburg selbst).

Bei ZdM 9.10 holt uns dann michaelgeocaching wieder ein, der uns ja eigentlich schon voraus war, aber noch die Tunnteltal-Runde absolviert hat und sich unser munteren Truppe für die letzten paar Dosen noch anschließt. Ihm fehlt eine Bonuszahl, uns eine andere, so dass wir uns gegenseitig aushelfen können. Tipp an alle ZdM-Fahrer: Gründlich gucken, manchmal steht eine Bonuszahl nur einmal auf einem Logbuch drauf und wird schnell mal übersehen!

Mit der letzten „regulären Dose“ ZdM 9.15 erreichen wir die Flensburger Förde und lassen uns den Salzwasserwind um die Nase wehen, während wir uns eine kleine Pause können und den Bonus 9 errechnen. Hier steht auch einer der kleinsten Grenzübergänge Europas, die Kontrollstation „Schusterkate“ an der Grenze zu Dänemark (inzwischen nicht mehr besetzt). Nur eine schmale Holzbrücke für Fußgänger und Radfahrer quert den Fluss Krusaa, der die Grenze bildet. Nach ein paar „Grenzfotos“ machen wir uns auf den Weg zum Bonus 9, der schon in Dänemark liegt (bzw. hängt). Dort haben wir dann alle Bonuszahlen von A bis Z zusammen und errechnen den Super-Bonus. Nach einem kleinen Fußmarsch bergauf stehen wir dann staunend vor der großen Dose mit dem dicken Logbuch und können kaum fassen, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Begeisterung über diesen Trail mischt sich mit ein wenig Stolz auf die eigene Leistung … Nach zahlreichen Hurras und Fotos verpacken wir alles wieder gründlich und kehren zum Grenzübergang zurück, wo sich unsere Wege und die von Michael und Christian trennen. Um 16:15 Uhr verabschieden wir uns – es war eine tolle gemeinsame Zeit!

Hannah und ich machen uns langsam auf den Rückweg Richtung Sarstedt – wir folgen dem Küstenradweg vom schönen Strandbad Wassersleben über Ostseebad und an der Werft vorbei bis zum Museumshafen. Die Flotte der hier liegenden historischen Schiffe wird ausgerechnet an diesem Wochenende noch durch die Rumregatta erweitert – eine nicht ganz ernste Geschwaderfahrt historischer Gaffelsegler, bei der der Zweite den Preis (eine große Buddel Rum) bekommt, der erste aber leer ausgeht. So herrscht am Hafen und in der Innenstadt ein buntes Treiben, in das wir uns einsortieren und das wunderbare Flair meiner Heimatstadt aufsaugen. Eine weitere Tradition für mich ist der Genuss der Pitta bei Papas Imbiss direkt an der Schiffbrücke, hier endete zu meinen Jugendzeiten fast jede Diskotour. Das ist fast 30 Jahre her, und den Imbiss gibt es immer noch, sogar die Einrichtung und die Plakate sind noch dieselben wie in den Achtzigern …

Gut gestärkt radeln wir dann weiter zum Bahnhof, der in Flensburg sinnvollerweise ziemlich abseits der Innenstadt liegt, und um 18:33 setzt sich der Zug in Richtung Hamburg in Bewegung. Mit der norddeutschen Gemütlichkeit eines RE zuckeln wir über die antike Rendsburger Hochbrücke und erreichen irgendwann auch Hamburg Hbf. Mitten in das Umsteigen ertönt ein Signal und die Durchsage, den Bahnhof umgehend vollständig zu räumen. Etwas verwirrt stehen wir inmitten zahlreicher Reisender vor dem Gebäude und fragen uns, wie wir wohl weiterkommen sollen. Die Feuerwehr fährt mit zwei Zügen vor, auch einen Polizeitrupp in Schutzausrüstung sehen wir. Doch nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, wir dürfen zu unserem Zug und fahren sogar noch pünktlich ab. Der Rest der Fahrt verläuft unspektakulär, so dass wir kurz nach Mitternacht wieder zuhause eintreffen und kaputt, aber stolz und glücklich ins Bett fallen. Was für eine Tour!

Fotos gibt es hier.