Zwischen den Meeren – Tag 1

2016-05-05 15.11.32Heute (Himmelfahrt) geht es los auf unsere große Tour – den Wandertrail: 85km Radweg zwischen Nord- und Ostsee. Doch jede noch so weite Reise beginnt mit einem kleinen Schritt – in unserem Fall ist es die fünfstündige Anreise mit dem Zug nach Dagebüll. Pünktlich um 9 Uhr brechen wir zuhause mit vollgeladenen Gepäcktaschen auf in Richtung Bahnhof, wo schon weitere Radler auf den metronom warten. Schnell kommt man ins Gespräch, tauscht Erfahrungen und Tipps über andere Routen aus. In Hannover wechseln wir den Zug, besteigen den IC nach Hamburg (noch mit 20-minütiger Verspätung). Das Fahrradabteil ist fast leer, auch die zugehörigen Sitzplätze sind frei – im Gegenteil zum Rest des Zuges, wo sich die Reisenden offenbar stapeln. Wir können die Fahrt genießen, der Lokführer gibt ordentlich Gas, und wir erreichen nicht nur pünktlich Hamburg-Altona, sondern auch den Anschlusszug der NOB in Richtung Westerland. Die Zugbegleiterin scheucht uns gleich zum anderen Zugende, denn die ersten Mehrzweckabteile sind alle schon voll mit Rädern – offenbar verbringt halb Norddeutschland das lange Wochenende auf dem Fahrrad …

Von Altona aus geht es in gemütlicher Fahrt durch Schleswig-Holstein. Irgendwo hinter Itzehoe kommt der Zug auf freier Strecke zum Stehen – der nächste Bahnübergang ist defekt, und der Zug tastet sich langsam heran, bis der Lokführer den Übergang von Hand sichern kann.

In Niebüll müssen wir nochmals aussteigen, von hier aus befährt die neg im Pendelverkehr die 12 km lange Strecke bis zum Fährhafen Dagebüll – normalerweise mit zwei uralten Triebwagen und Platz für ca. 80 Leute. Heute wurden offenbar auf die Schnelle ein paar IC-Wagen der DB ausgeliehen, um die Menschenmassen zu bewältigen, die auf die Inseln strömen. Der Zug hat eine völlig falsche Beschriftung, die Reservierungsschilder an den Sitzen zeigen noch ferne Ziele wie Berlin oder Frankfurt an – egal, dieses Gleis führt nur nach Dagebüll. Dort kommen wir um 15:15 Uhr an, lassen die Inselwütigen zur Fähre sprinten und atmen voller Genuss die Nordseeluft.

An der Mole beginnt dann unsere ZdM mit der Dose „1.01“ am alten Anker, erfürchtig fotografieren wir den Auftakt. Auch die Webcam (GCM6Z9) darf natürlich nicht fehlen. Anschließend hangeln wir uns über 25km von Dose zu Dose, arbeiten den ersten und zweiten Abschnitt des Trails ab. In den Logbüchern sehen wir, dass heute schon etliche vor uns auf dem Weg sind; am Bonus 1 treffen wir sogar noch zwei Teams. Alle Dosen sind Laborfläschchen, die Logbücher in gutem Zustand, die Wege zu den Dosen leider sehr ausgetreten (kein Wunder bei 1.600 Funden in 4 Jahren). Man darf hier keinen hohen Anspruch auf die Originalität der Verstecke pflegen, meist liegen die Dosen unter Steinen, an Bäumen – eben die typischen Verstecke. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, und ohnehin ist bei diesem Trail der Weg das Ziel, denn die Routenführung über kleine Nebenstraßen, Feldwege und Pfade lässt uns die Einsamkeit und Ruhe spüren; wir genießen die Natur, beobachten Kühe, Schafe, Pferde am Wegesrand und halten immer wieder für ein Foto an, wo es etwas Neues zu entdecken gibt. Dieser „Beifang“ sind nicht nur andere Caches außerhalb des ZdM, wie etwa „Die Plattform“ (GC2NV1A) mit kleiner Klettereinlage, sondern auch das kleine private Fahrradmuseum bei ZdM 2.18, das mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen lockt. Als wir anhalten, um das Hochrad vor der Tür zu fotografieren, springt sofort der Hofhund fröhlich bellend auf uns zu, als wollte er uns einladen.

In Bargum weichen wir vom Trail ab, machen einen Abstecher nach Langenhorn und kehren in der Pizzeria „Alla Stazione“ in Bahnhofsnähe ein (sehr empfehlenswert). Nach einer ordentlichen Stärkung fahren wir die wenigen Kilometer nach Bargum zurück zu unserem ersten Quartier, Andresens Gasthof.

An  der Tür erwartet uns ein handgeschriebenes Willkommen mit dem Hinweis zu unserem Schlüssel und Zimmer, da die Wirtin kurz außer Haus ist. Jeder könnte in den Gasthof hinein und die Bar plündern, aber man ist auf dem Land, hier gibt es sowas nicht … Die Fahrräder können wir im ehemaligen Festsaal parken, dort ist auch viel Platz.

Im Gasthof ist die Zeit vor etwa 20 Jahren stehen geblieben; die Zimmer, die Möblierung, die wenigen analogen Satelliten-Programme im Fernsehen – alles hat den Charme der Vergangenheit. Dazu muss man wissen, dass dieser Gasthof lange Jahre der kulinarische Tempel Norddeutschlands war, mit einem Sternekoch und einem Eintrag im Guide Michelin. Doch inzwischen ist der Koch weg und die Gäste auch; es wird immer schwerer, einen solchen Gasthof auf dem Land zu bewirtschaften – die Chefin, Frau Andresen, erledigt dies inzwischen fast allein. Dafür ist die Betreuung sehr herzlich und persönlich, die Zimmer sind sauber und ordentlich, und mehr brauchen wir nicht zum Übernachten.

Für uns endet dieser Tag hier; nach 5 Stunden Zugfahrt, 4 Stunden Radeln und 53 Caches fallen wir in die Betten – die erste Etappe ist geschafft.

Fotos von der Tour gibt es hier.